Manfriet
Als Meister des filmischen Männerkurzporträts ist es Jan Soldat neuerlich gelungen, in kurzweiligen drei Minuten detailhaft einen Protagonisten zu dokumentieren, und Einblicke in dessen Lebensumstände, Körperlichkeit, und Haltung gegenüber einem imaginierten Du zu geben. Manfriet entkleidet sich zu Beginn, die Socken bleiben an, der Blick in die Kamera gerichtet. In ruhig geschnittenem Tempo folgen kurze Einstellungen ohne Kamerabewegung, die Manfriet in immer neuen Posen innerhalb seiner kleinen, vollgeräumten, mit diversesten Gegenständen und Möbeln gefüllten Wohnung zeigen: mal sitzt er vor der Balkontür, mal steht er vor dem Kasten, mal in der Küche, mal im Bad. Nichts lenkt ab, nur Atmo und ein Uhrenticken auf der Tonspur. Wir können genau hinschauen, auf Manfriets Narben, seinen Bauch, vor allem in seine Augen mit stetem Blick, selbstsicher, irgendwie schmunzelnd.
Wir sehen Manfriet in Bewegung in Form einer Wohnungsbesichtigung, ein Zimmer verlassend, ein anderes betretend, und wir sehen wie Manfriet sich wieder ankleidet. Am Ende blickt er, sitzend, wieder in die Kamera. Sehr in sich ruhend. Jan Soldat glückt ein zugewandter, interessierter, und analytischer Blick, der nie voyeuristisch oder gar ausstellend wird. Mit ihm können wir darüber betrachtend nachdenken, was es heißt, in und mit Männerkörpern zu leben. (Andrea B. Braidt)
Manfriet
2026
Österreich, Deutschland
3 min