CATASTROPHE
Die Welt zieht vorüber, sie ist kaputt. Die Umwelt, die Häuser, die Infrastruktur und die Menschen – ein postapokalyptischer Streifzug, der immer noch Gegenwart ist. Schilder mit Phrasen wie „Zurück zur Normalität“ oder „Früher war alles besser“ werden von zusammengeklappten Skeletten gestützt. Und sie erinnern uns – insbesondere im Fall der zweiten Behauptung – daran, wie hohl und ungebräuchlich diese Floskeln schon immer waren, wie ahistorisch und undifferenziert, wie – mit Ernst Blochs Prinzip Hoffnung/Kapitel „Die neumodischen Dinge taugen alle nichts“ gesprochen: abergläubisch. Dann geht in Leopold Maurers Animationsfilm CATASTROPHE die gelbe Sonne auf und initiiert einen Rube-Goldberg-Maschineneffekt, der von einem Kaktus über das Konterfei des amtierenden US-Präsidenten bis zu einem Münzsparschwein reicht und irgendwann gibt ein Plastikquietschentchen den Anstoß zum Umsturz.
Fragil ist die Welt, die hier dargestellt wird, einleuchtend die farblich akzentuierten Zusammenhänge, die Leopold Maurer mittels repräsentativer Versatzstücke menschlicher Zivilisation als Kettenreaktion darstellt, die unaufhaltsam die Katastrophe vorantreibt. Das elektrische Surren diverser Energiequellen und Zeitbomben nistet sich wie ein akustisches Grauen in den Ohren ein. Schließlich scheint es für einen kurzen Moment so, als sei Efeu über das ultimative Chaos gewachsen, aber wie im vierten Akt einer klassischen Tragödie ist das eine Verzögerungstaktik, bis am Ende zu Eric Amelins bemerkenswert eigenwilliger Version von Wagners Walkürenritt endgültig alles explodiert. Das haben wir Menschen nicht gut gemacht. (Melanie Letschnig)
CATASTROPHE
2026
Österreich
4 min 40 sek